Auf dem Weg zu Null Emissionen

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Holger Urbschat

Spezialist Unternehmenskommunikation

9 Minute(n) Lesezeit

Durch die Corona Pandemie ist ein Thema, das immer noch höchste Priorität besitzt, etwas in den Hintergrund geraten: Der Klimawandel. Große Teile aus Politik und Gesellschaft haben erkannt, dass ein Handeln zur Eindämmung der globalen Klimaerwärmung dringend erforderlich ist. Ein Maßnahmenpaket aus Energiewende, nachhaltigen Konzepten, verstärktem Umweltschutz und verantwortungsbewusstem ökologischem Handeln der Wirtschaft sollen dazu beitragen.


Cop21 Logo in ParisSpätestens seit der 21. UN-Klimakonferenz 2015 in Paris ist die Dringlichkeit von Klimaschutz im Bewusstsein vieler Menschen angekommen. Nach vielen Jahren intensiver Verhandlungen haben sich mit dem Paris-Abkommen alle Staaten dazu verpflichtet, die Weltwirtschaft auf klimafreundliche Weise zu verändern. Dieser historische Schritt löste das Kyoto-Protokoll aus den 90er Jahren ab, in dem sich lediglich einige Industriestaaten dazu verpflichteten, ihre Emissionen zu senken. Um die Politik zu einem schnellen und konsequenten Handeln zu bewegen, treten immer mehr junge Menschen der „Fridays for Future“-Bewegung bei und demonstrieren weltweit für mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit.

Aber auch Unternehmen haben erkannt, dass es zu ihren gesellschaftlichen Aufgaben gehört, der globalen Erderwärmung entgegenzuwirken und mit dazu beizutragen, dass die gesetzten Klimaziele erreicht werden können. Es geht nicht mehr nur darum, Geschäftsmodelle zu entwickeln, die Umweltschäden reduzieren, sondern diese möglichst komplett vermeiden und ressourcenschonend agieren. Heute beurteilen Investoren und Kunden ein Unternehmen und seine Produkte zunehmend anhand von nachhaltigen Kriterien, wie der Nutzung sauberer Energiequellen, einem möglichst geringen CO₂-Ausstoß, fairen Arbeitsbedingungen oder einem erkennbaren Beitrag zum Umweltschutz.

Ökonomie und Umweltschutz schließen sich nicht aus

Für die Toyota Industries Corporation (TICO) ist diese Erkenntnis nicht neu. Bereits in den frühen 90er Jahren wurden der erste und zweite "Environmental Action Plan“ aufgesetzt, die auf dem folgenden Grundsatz basierten:

Toyota Industries glaubt fest daran, dass wirtschaftliches Wachstum und Erhaltung der natürlichen Umwelt miteinander vereinbar sind. Das Unternehmen strebt danach Produkte und Services anzubieten, die sauber, sicher und von hoher Qualität sind.

Neben dem Aufbau eines Umweltmanagementsystems mit entsprechenden Auditmechanismen waren schon in dieser frühen Phase die Entwicklung von umweltfreundlichen Produkten, die Reduktion von Umwelteinflüssen, die Vermeidung von Müll durch Kreislaufwirtschaft sowie die Förderung von Energieeinsparung wichtige Ziele für eine nachhaltige Entwicklung des Konzerns.

 

Unser Ziel: Null Emissionen

Der mittlerweile sechste "Environmental Action Plan“ folgt der Vision eines Lebens in Wohlstand und in Harmonie mit der natürlichen Umwelt durch die Schaffung einer Gesellschaft mit null CO₂-Emissionen bis 2050. Diese Vision begründet eine ambitionierte Roadmap zur Eindämmung des Klimawandels.

Als Teil von TICO hat sich Toyota Material Handling dazu verpflichtet, bis 2030 in den eigenen Betrieben CO₂-neutral zu arbeiten. Damit übernimmt Toyota eine wichtige Rolle als Vorbild für den Wandel einer ganzen Branche – einer Branche, deren Zukunft CO₂-neutral sein soll.

Zitat Tom Schalenbourg

Klare Leitlinien zur Erreichung der Klimaziele

Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen hat Toyota Material Handling Europe eigene Energierichtlinien verfasst, in denen das Unternehmen die Erwartungen aller relevanten Interessensgruppen – wie Kunden, Eigentümer und Aufsichtsbehörden – zusammenfassend berücksichtigt. Die Leitlinien basieren dabei auf drei Säulen:

  • Erreichung von Netto-Null-Emissionen in den eigenen Betrieben unter Einhaltung folgender Meilensteine: Ausschließliche Verwendung von CO₂-neutralem Strom bis 2021 und Erreichen der ISO 50001-Zertifizierung in allen Unternehmenseinheiten bis 2025.
  • Einbeziehen der Emissionen aus den Lieferketten und Zusammenarbeit mit Lieferanten zur Entwicklung kohlenstoffarmer Alternativen.
  • Entwicklung einer vollständigen Produktpalette CO₂-neutraler Geräte und Lösungen bis 2030, mit dem klaren Ziel vor Augen, dass alle bei Kunden eingesetzten Lösungen bis 2050 CO₂-neutral sind. (Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag "Fünf Schritte zu einer nachhaltigen Intralogistik".)

Die Aufgabe besteht nun darin, die Toyota Material Handling Europe Energierichtlinien in den einzelnen europäischen Länderniederlassungen und Produktionsstandorten umzusetzen und konsequent zu verfolgen.

Weniger Energieverschwendung dank ISO 50001-Zertifizierung

Ein zentraler Punkt auf dem Weg zur Erreichung von null CO₂-Emissionen besteht darin, die ISO 50001-Zertifizierung für alle europäischen Unternehmenseinheiten zu erhalten. Diese Norm zielt darauf ab, Organisationen dabei zu unterstützen, ihre Energieeffizienz durch den Aufbau von geeigneten Prozessen und Systemen zu verbessern. Dadurch sollen ungenutzte Energieeffizienzpotenziale erschlossen, Energiekosten verringert und der Ausstoß von Treibhausgasen (beispielsweise von CO₂-Emissionen) sowie andere Umweltauswirkungen von Energieverbräuchen reduziert werden. Damit leistet das Energiemanagementsystem einen wesentlichen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz.

Die ISO 50001 ist ein Managementsystem, bei dem zunächst ein Energieaudit durch externe Stellen durchgeführt wird. Es zeigt Einsparungsmöglichkeiten auf, etwa die Umstellung auf LED-Beleuchtung, Automatisierung, umweltfreundliches Fahren usw. Jede lokale Unternehmenseinheit wurde gebeten, einen Bericht mit Prioritäten zu erstellen, der als Grundlage für einen Aktionsplan dient. Dieser umfasst Projekte zur Erreichung der Zertifizierung auf der Basis des jeweiligen Energieaudits. Gemäß dem PDCA-Ansatz (plan, do, check, act – planen, umsetzen, prüfen, reagieren) werden die Projekte  kontinuierlich weiterverfolgt und optimiert sowie die Richtlinien auf dieser Grundlage aktualisiert. 

Erhöhte Energieeffizienz ermöglicht Investitionen

Für Toyota bedeutet die Energieeffizienz zu steigern, durch geringeren Energieverbrauch die gleiche Unternehmensleistung zu erreichen. Das trägt zu einer Kostensenkung bei und bietet somit die Möglichkeit, schneller in einen Übergang zu umweltfreundlicher Energie zu investieren.

Die Schaffung von Transparenz zwischen den Unternehmenseinheiten sorgt zudem dafür, die Verschwendung von Energie zu reduzieren. Innerhalb von Toyota Material Handling Europe wird die Energieeffizienz jeder Einheit erfasst und jährlich berichtet. Dies ermöglicht es den einzelnen Unternehmenseinheiten, ihren eigenen Verbrauch zu beurteilen und Verbesserungsmöglichkeiten zu entdecken.

Schwedische Fabrik erreicht als erste null Emissionen

Toyota Fabrik in Mjölby

Obwohl die Eindämmung des Klimawandels eine globale Aufgabe darstellt, scheint Nordeuropa eine Führungsrolle zu übernehmen. In Schweden beispielsweise entstehen zwischen Unternehmen und Gesellschaft starke Koalitionen, die ehrgeizige Nachhaltigkeitsziele festlegen und angehen. Oft sind diese sogar ambitionierter als die politischen Vorgaben.

Seit August 2019 ist Toyota Material Handling Manufacturing Sweden mit Sitz in Mjölby als CO₂-neutrale Fabrik anerkannt. Diese Produktionsstätte stößt nicht nur kein CO₂ aus, sondern verwendet zudem ausschließlich Ökostrom, Fernwärme und flüssiges Biogas. Möglich wurde dies durch die Umstellung von herkömmlichem Flüssiggas (LPG) auf flüssiges Biogas (LBG oder BioLNG).

Stehle Svensk Biogas in MjölbyWie bei vielen anderen Investitionen war dieses Projekt zur Erreichung von Emissionsfreiheit sowohl für die Umwelt als auch für das Unternehmen ein großer Gewinn. „Es war ein großes, aber kein unmögliches Projekt, und es hat letzten Endes reibungslos funktioniert. Wir sind eines der ersten Unternehmen in Schweden, das flüssiges Biogas auf diese Weise nutzt. Indem wir zeigen, wie damit eine große Fabrik betrieben werden kann, hoffen wir, dass wir auch anderen Unternehmen ein gutes Beispiel sein können“, sagt Maria Välitalo, Sustainability Manager bei Toyota Material Handling Manufacturing Sweden.

Das Werk in Mjölby ist damit die erste emissionsfreie Unternehmenseinheit innerhalb von Toyota Material Handling Europe. Zur Anerkennung der mit diesem Projekt erbrachten Leistung verlieh die Toyota Industries Corporation (TICO) dem Werk den jährlichen Environmental Excellence Award der TICO Group.

Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden, sollten unsere Anstrengungen aber fortsetzen und versuchen, kontinuierlich besser zu werden (Kaizen), etwa in Bezug auf Energieeffizienz, Transport und viele weitere Aspekte.

- Maria Välitalo, Sustainability Manager bei Toyota Material Handling Manufacturing Sweden -

Weitere Energieeffizienzprojekte werden vorangetrieben

Auf diesem großartigen Erfolg ruhen sich die Kollegen in Schweden nicht aus. Bis Ende 2020 soll das Toyota Werk in Mjölby die ISO 50001-Zertifizierung erhalten. Dies erfordert zunächst eine umfassende Bestandsaufnahme, die aufzeigt, wie die Fabrik auch in anderen Bereichen noch mehr Energie einsparen kann. Anschließend wird evaluiert, welche Änderungen die größten Auswirkungen haben können und welche Maßnahmen als nächstes zu ergreifen sind. Durch die Festlegung klarer und spezifischer Ziele wird der Fortschritt zudem messbar gemacht.

Schon vor einiger Zeit wurden auf den Dächern der schwedischen Fabrik Solarzellen installiert. Da das Werk in Mjölby bereits Ökostrom nutzte, hat diese Maßnahme zwar nicht zu einer weiteren Reduktion von CO₂-Emissionen beigetragen, aber der Anteil an eingekauftem Strom konnte dadurch gesenkt werden und war somit ökonomisch durchaus sinnvoll.

Solarzellen auf dem Dach in IsernhagenAuch in der Toyota Material Handling Deutschland Zentrale in Isernhagen bei Hannover tragen Solarzellen zum Energie-Mix des Unternehmens bei. Im Geschäftsjahr 2020 wurden 443.851 kWh Strom erzeugt. Damit wird ein wesentlicher Teil des eigenen Energieverbrauchs gedeckt und überschüssige Energie in das öffentliche Stromnetz eingespeist. „Gemeinsam als Team wollen wir unseren CO₂-Fußabdruck reduzieren, Verschwendung von Umweltressourcen vermeiden und Klimaprojekte unterstützen“, beschreibt Patrick Maihöfer, Leiter Personal, Recht & Nachhaltigkeit, die Ziele in Deutschland. Als eine weitere Maßnahme wird der eigene PKW-Fuhrpark zukünftig umgestellt, so dass er zu über 90% aus Hybridfahrzeugen besteht.

Wir wollen als gutes Beispiel vorangehen

Wie bei den meisten Unternehmen, die sich für die Eindämmung des Klimawandels einsetzen, besteht für uns die Schwierigkeit darin, dass wir nur einen kleinen Teil unserer Emissionen direkt kontrollieren können. Die restlichen 80 % stammen aus der Nutzung unserer Geräte und 15 % aus den Betrieben unserer Lieferanten. Daher ermutigen wir Lieferanten, Kunden und alle anderen Stakeholder, auf Ökostrom umzusteigen, um den größten Teil unserer Emissionen zu senken. Mit dem Erreichen von null Emissionen in unserem schwedischen Werk wollen wir mit gutem Beispiel vorangehen.

- Tom Schalenbourg, Director Sustainable Development bei Toyota Material Handling Europe -

Der nächste entscheidende Schritt besteht für Toyota Material Handling darin, die neuen Energierichtlinien in allen Unternehmensteilen zu implementieren. Mit großem Engagement und unter Einbindung aller Mitarbeiter kann dieses Ziel erreicht werden. Die größte Herausforderung besteht allerdings darin, in der gesamten Lieferkette eine vollständige Transparenz hinsichtlich aller Energieaspekte zu erreichen. Zudem muss zukünftig die Energieeffizienz unserer Geräte, die letztendlich bei unseren Kunden zum Einsatz kommen, optimiert werden. Mit der Entwicklung des Toyota Batteriesystems und der Nutzung von Lithium-Ionen-Batterien in immer mehr Geräten ist bereits ein großer Meilenstein auf diesem Weg erreicht worden.

Weitere Informationen zum Thema Nachhaltigkeit bietet Ihnen auch unser aktueller Nachhaltigkeitsbericht

 

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