„A little bit crazy“ – wie aus Ideen neue Designs entstehen

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Holger Urbschat

Spezialist Unternehmenskommunikation

13 Minute(n) Lesezeit

Li-Ionen , Antriebsarten , Design , Niederhubwagen

Es gibt nicht viele Gebrauchsgegenstände, die über Jahrzehnte hinweg ihr Aussehen beibehalten haben. Ein Bleistift, Füllfederhalter oder ein Schweizer Taschenmesser haben noch dieselbe Form wie vor 100 Jahren. Manche Dinge haben sich hingegen rasant verändert – das Telefon oder der PC zum Beispiel. Heutige Geräte ähneln nur sehr vage ihren Vorvorgängern aus dem 19. oder 20. Jahrhundert. Ein klobiger Personal Computer (PC) neben einem dünnen Laptop? Beide haben einen Bildschirm und eine Tastatur, aber sonst nicht viel gemeinsam. Wer nimmt heute noch den Begriff „Telefon“ in den Mund? Die Jüngeren unter uns verbinden das Wort eher nicht mit einem Gerät mit Wählscheibe und geringelter Schnur, das seinen festen Platz in der Wohnung hatte.

Design Preise für den BT Levio LWI160

Neue Designs werden häufig dafür genutzt, technologische Innovationen zu unterstreichen. So verdeutlicht das moderne, teils futuristische Design der E-Autos die Entwicklung hin zu nachhaltigeren Antriebskonzepten. Auch wenn momentan der Marktanteil von E-Autos in Deutschland noch bei unter 10 Prozent liegt, ist abzusehen, dass sich das in den nächsten Jahrzehnten deutlich ändern wird. Wo die Elektromobilität hingegen längst angekommen ist: In den Distributionszentren und Lagerhallen. Flurförderzeuge mit Elektroantrieb sind aus dem innerbetrieblichen Materialfluss nicht mehr wegzudenken.

Vorausdenkende Designer

Toyota BT Levio LWI160 Design Model

Toyota gilt als Pionier im Bereich Elektromobilität und alternative Antriebstechnologien - sowohl im Automobilbereich als auch bei Flurförderzeugen. Um diese Vorreiterrolle zu sichern, werden bestehende Technologien und Designs auf den Prüfstand gestellt und in die Zukunft gedacht. Mit dem Toyota Material Handling Design Center in Mjölby, Schweden, wurde ein Ort geschaffen, an dem Designer und Ingenieure gemeinsam an zukünftigen Generationen von Flurförderzeugen arbeiten. Das Radical Energy Design Projekt, kurz RED, nimmt dabei das Gerätedesign rund um das modulare Toyota Batteriesystem in den Fokus. Mit der Entwicklung des neuen Elektro-Niederhubwagen BT Levio LWI160, ist dabei ein erstes Paradestück gelungen.

Ganz im Sinne von Kaizen strebt Toyota stets danach Produkte und Lösungen zu verbessern und Prozesse zu optimieren. Im Toyota Material Handling Design Center werden die Ziele noch ambitionierter formuliert. Magnus Oliveira Andersson, Leiter des Design Centers, und sein Team wollen Innovationen auf eine neue Stufe heben, revolutionäre Ideen entwickeln und realisieren.

Toyota BT Levio LWI160 Verteilung der Batterien

Im Nachhinein erscheinen viele Ideen simpel und offensichtlich. Doch es gehört Mut und Kreativität dazu, Dinge anders zu denken und ein bestehendes Design in Frage zu stellen. Im Rahmen des RED-Projekts stellten sich die Designer beispielsweise die Frage, ob sich nicht Alternativen für den konventionellen Batterieraum finden lassen? Das modulare Toyota Batteriesystem ermöglichte es schließlich, die einzelnen Batteriemodule in das Gerät zu integrieren und so ganz ohne einen Batterieraum auszukommen.

Mobiler in engen Gängen

Heraus kam ein Mitgänger-Niederhubwagen, der leichter, kürzer und kompakter ist und sich so noch einfacher manövrieren lässt. Das macht ihn für viele Einsatzbereiche zu einem idealen Helfer, weil er dorthin mitgenommen werden kann, wo es eng wird:

  • in Gängen von Supermärkten, Baumärkten und Gartencentern,
  • in der Anlieferzone von kleinen Geschäften
  • als Mitnahmegerät auf Lieferfahrzeugen

Toyota BT Levio LWI160Das deutlich reduzierte Gerätegewicht des BT Levio LWI160 erhöht gleichzeitig die Energieeffizienz des Elektro-Niederhubwagens. Außerdem haben Lagermitarbeiter dank der kompakten Form und der ergonomisch angebrachten Deichsel gute Sicht zu allen Seiten. Auch Servicetechniker profitieren im Fall der Fälle davon, dass alle Teile gut erreichbar sind. Die Batterien können einzeln entnommen, ausgetauscht oder erneuert werden. Und nicht zuletzt sieht der neue Elektrostapler so gut aus, dass er 2020 gleich zwei Designpreise eingefahren hat: den IF Design Award und den Red Dot Award.

Vorbild für zukünftige Staplergenerationen

Mit dem BT Levio LWI160 hat Toyota ein Vorbild geschaffen, das eine ganze Generation von neuen Staplerdesigns einläuten soll. Das hier realisierte Design basierend auf dem modularen Batteriekonzept ist die Blaupause, die auch auf weitere Flurförderzeuge angewendet werden soll – immer unter dem Motto: Weglassen statt Hinzufügen. Toyota ist überzeugt davon, dass sich die Strategie hin zu mehr Einfachheit für den Kunden auszahlt.

Logistikunternehmen – große wie kleine – sind immer stärker gezwungen, flexibel zu handeln; sie wollen ihre Geräte an unterschiedlichen Standorten einsetzen, um auf eine schwankende Nachfrage rasch reagieren zu können. Ein standardisiertes Gerät, das sich auf einfache Weise in Bezug auf die Leistung „upgraden“ lässt, kann hier seine Vorteile ausspielen.

Auch ohne Fahrer ein zukunftsfähiges Konzept

Toyota BT Levio LWI160 in der Designphase

Das modulare Toyota Batteriesystem bietet aber noch weitere Vorteile. Kompaktere und leichtere Geräte eignen sich auch für automatisierte und autonome Lösungen im Lager. Wenn Konstrukteure keine ergonomischen Aspekte berücksichtigen müssen – weil es keinen Fahrer oder Geräteführer gibt – können sie ihre Ideen noch freier entwickeln. Bei automatisierten und autonomen Flurförderzeugen konzentrieren sich die Entwickler auf die Kommunikation zwischen Menschen und Gerät bzw. zwischen den Geräten untereinander. Doch allein mit einer zündenden Idee ist es nicht getan.

Sicherheit, Komfort, Beweglichkeit, Energieeffizienz – ein neues Modell sollte in all diesen Bereichen besser sein als das Vorgängermodell. Die grundlegende Aufgabe der Produktdesigner ließe sich auch so beschreiben: Form und Funktion so in Einklang zu bringen, dass zukünftige Nutzer und Kunden gleichermaßen begeistert sind.

„Für Gustaf Gabrielsson, meinem Kollegen in der Abteilung Research & Development, ist die Ideenentwicklung tatsächlich der einfachste Teil des gesamten Entwicklungsprozesses“, erzählt Magnus Oliveira Andersson. „Danach fängt der schwierige Teil an: der Kauf der Komponenten, die Tests und das Finetuning, um schließlich ein Produkt zu erschaffen, das den Ansprüchen an die Toyota-Qualität genügt.“

Nichtsdestotrotz steht am Anfang doch der leere Zeichenblock bzw. der Computer-Bildschirm, vor dem sich eine Produktdesignerin oder ein Industrie-Designer von Toyota den Kopf zerbricht. Denn diese „Simplifizierung“ ist gar nicht so einfach umzusetzen. Was qualifiziert die Menschen bei Toyota, die im Design Center zusammenarbeiten? Warum sind ausgerechnet sie so kreativ und innovativ?

Gradwanderung zwischen Formschönheit und Kundennutzen

Toyota Design Studio in MjölbyWas brauchen Designer, um innovativ zu sein? Neben Erfahrung sicher den Mut, Dinge ganz neu zu betrachten, auf neudeutsch „out of the box“ zu denken, und eine Umgebung, die ihnen die Freiheit dazu gibt. Im Gegensatz zum freien Künstler kann ein Produktdesigner seinen Ideen nicht vollständig freien Lauf lassen, sondern muss immer auch die Bedürfnisse des Kunden sowie die Sicherheit der Nutzer im Blick behalten.

Was bei Toyota die kreative Arbeit beflügelt, ist auch die Tatsache, dass die Designer eben nicht nur im stillen Kämmerlein sitzen und nachdenken. Sie arbeiten auch nicht alle im idyllischen Mjölby, sondern in Bologna oder New York und das Teamwork findet über Länder- und kulturelle Grenzen hinweg statt. Der Weg zum Industriedesign verlief bei vielen Mitarbeitern, die heute Designs für Toyota entwickeln, nicht geradlinig. Genau diese Erfahrungen – beruflich wie privat – sind aber wertvoll, wenn es darum geht, um die Ecke zu denken, und auch mal verrückten Ideen Raum zu geben.

Ein bisschen verrückt darf es schon sein

"Die 'crazy ideas' sind sogar ausdrücklich erwünscht", findet Magnus Oliveira Andersson, der selbst über 25 Jahre als Industriedesigner gearbeitet und das Toyota Material Handling Design Center aufgebaut hat. Er ist einer der Initiatoren des Toyota Logistics Design Competition (TLDC), einem Wettbewerb, den Toyota in diesem Jahr zum fünften Mal ausloben wird und an dem Studierende aus allen Nationen teilnehmen können.

Designer bei der ArbeitAndersson formuliert seine Erwartungen an die Wettbewerbsbeiträge so: Sie sollen ihn überraschen, ein bisschen verrückt sein, aber dennoch realistisch. „Es muss gar nicht der große Wurf sein; mich interessieren Ideen, die ich so nicht erwartet habe. Etwas, das vielleicht ganz einfach ist, aber dir das Gefühl gibt: ‚Warum machen wir das eigentlich nicht so?‘“

Von den Teilnehmern wird erwartet, dass sie Bestehendes hinterfragen. Aus dem Wettbewerb sind inzwischen viele Ideen und Konzepte hervorgegangen, die Logistikprozesse vereinfachen und beispielsweise das Handling von Gepäckstücken am Flughafen revolutionieren könnten. Letzteres war die Aufgabenstellung 2020. Im Jahr 2018 sollten sich die Teilnehmer ein Konzept für die Zustellung auf der letzten Meile überlegen.

Der Wettbewerb als Sprungbrett für Nachwuchs-Designer

Preisträger beim deutschen MobilitätspreisEin Konzept, das die Jury des Design-Wettbewerbs von Toyota 2018 überzeugte, kam aus Deutschland und hieß CIPS. Das steht für Combined Infrastructure Parcel Service. Die Idee dahinter: Linienbusse statt KEP-Dienstleister transportieren die Pakete in einem Behälter, der hinten an den Bus angedockt wird. Zielorte sind die Bushaltestellen, wo die rollenden Packstationen auf ihre Abholer warten. Die Empfänger können vorab bestimmen, an welche Bushaltestelle geliefert werden soll. Mit dieser Idee erreichten Mohammad Moradi und Paul Pötzelberger nicht nur den zweiten Platz beim Toyota Logistics Design Competition, sondern gewannen sogar den Deutschen Mobilitätspreis 2019. Ein toller Achtungserfolg für die beiden Produktdesigner, die beide in Berlin leben und arbeiten. Der Preis, der vom Verein „Deutschland – Land der Ideen“ und vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) ausgelobt wird, ist der Beweis dafür, dass Toyotas Design Wettbewerb zum Sprungbrett für Nachwuchs-Designer werden kann. Viel wichtiger: Es werden Ideen entwickelt und auf den Weg gebracht, die das Zeug dazu haben, logistische Prozesse zu verändern und umweltfreundlicher zu gestalten.

Konzept CIPS

Design und seine Rolle für eine nachhaltigere Zukunft

Moradi und Pötzelberger stehen stellvertretend für die vielen kreativen jungen Leute, deren Ideen den Weg in eine nachhaltigere Zukunft ebnen können. Innerstädtische Mobilität und die Art und Weise, wie Güter transportiert werden, haben viel Einfluss darauf, wie das Leben in Innenstädten und dem Umland zukünftig aussehen wird. Wer hier um die Ecke denken kann, kann dazu beitragen, die Zukunft auf positive Weise zu verändern. Der Energieverbrauch während der Herstellung und Nutzungsdauer sowie die Frage, was nach dem Ende eines Produkt-Lebenszyklus passiert, sind Faktoren, die schon beim Entwurf von neuen Produkten und Geräten mitgedacht werden müssen. Das Design spielt hierbei eine zunehmend wichtige Rolle – auch bei Toyota.

Viktor Westberg, Trainee bei Toyota Material Handling, sieht den Designer geradezu prädestiniert dafür, eine Vision der Zukunft zu entwickeln. „Gutes Design kann dazu beitragen, die Gesellschaft und Welt, in der wir leben, nachhaltiger zu machen“, ist sich Westberger sicher. „Von einem Designer wird auch erwartet, dass er ein bisschen rebellisch ist, dass er Dinge von einer Außenperspektive wahrnimmt und die Grenzen noch weiter ausreizt.“

Toyota BT Levio LWI160 in der SeitenansichtDer neuen Elektro-Niederhubwagen steht beispielhaft für solch eine Grenzverschiebung. Der Toyota Logistics Design Competition trägt seinen Teil dazu bei, dass Talente entdeckt und Lösungen entwickelt werden, die auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen, aber die es lohnt, umzusetzen. Hier will Toyota ein stückweit Wegbegleiter sein, und freut sich, wenn die aus dem Wettbewerb hervorgegangen Ideen die Logistik und damit auch die Gesellschaft voranbringen.

 

Toyota Logistic Design Competition 2022 sucht nach inspirierenden Lösungen für die urbane Mikrologistik

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in städtischen Gebieten. In Europa liegt der Anteil sogar bei über achtzig Prozent. All diese Menschen mit Waren und Gütern zu versorgen, ist ein gewaltiges Unterfangen. Allein in der Region Paris werden wöchentlich rund 4,3 Millionen Lieferungen getätigt. Die Bevölkerungsdichte in den Städten steigt immer weiter an. Zudem werden Autos zunehmend aus großen Stadtzentren verbannt, um die Luftverschmutzung zu reduzieren.

Die Herausforderung: Kürzere Lieferketten, mehr Präzision, mehr Flexibilität und weniger Umweltbelastung in den Städten.


Beim Toyota Logistic Design Competition 2022 besteht die Aufgabe für die Studenten darin, in die enormen Herausforderungen der städtischen Mikrologistik einzutauchen. Sie sollen nachhaltige und zweckmäßige Ideen für die urbane Mikrologistik entwickeln.

Der Wettbewerb ist ab sofort eröffnet. Die Einreichungsfrist endet am 19. Oktober 2021. Anschließend wird eine Jury aus Fachleuten, die im Bereich Design und Innovation der Toyota Gruppe tätig sind, die Vorschläge bewerten und die Finalisten ernennen.

Alle Finalisten erhalten bis Ende November ein Feedback der Jury. Anschließend haben sie die Möglichkeit, ihre Vorschläge für die abschließende Jurysitzung zu überarbeiten, bevor die Gewinner des Wettbewerbs von wahren Experten und Marktführern der Branche gekürt werden.

Neben Geldpreisen winken den Gewinnern ein sechsmonatiges bezahltes Praktikum im Toyota Material Handling Design Center (Schweden/ Italien) oder bei Toyota Europe Design Development (ED2).

Weitere Informationen zur Teilnahme am Wettbewerb finden Sie auf der Seite des Toyota Logistic Design Competition.

 

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